
…fĂĽr die rechte Spur zu schnell. Das sang einst Tom Liwa. Und irgendwie passt das zum heutigen Tag. Ich hätte auf meine Katze hören sollen. Die krallte sich heute morgen in mein T-Shirt, als ich aufstehen wollte. Bleib liegen, schien sie anzudeuten. Aber meine innere Stimme antwortete, nein, heute steht zuviel an. Ich riss die Fenster auf und mir schlug 8°C kĂĽhler Nebel entgegen, der meiner Katze beiseite springen wollte. Das Fenster war schnell wieder zu.
Aber heute war halt der Wurm drin. Die erste Station war der Zahnarzt. Ich sollte gekrönt werden, doch die Krone passte nicht. Gut, damit hatten sicher schon manche Könige und Kaiser zu leben, aber ich darf nun nächste Woche wieder zur Anprobe. Von Wiesbaden wollte ich nach Mainz in die Uni, doch der Zug fiel aus. Passend zum Wetter kaufte ich mir im nahegelegenen Einkaufszentrum einen Schal gegen die morgendliche Nebelkälte und einen Iced Cafe Mocha Raspberry gegen die Mittagshitze.
In Mainz ging es erst einmal in die Bibliothek. Die wird, Semesterferien hurra, umgebaut. Es wurde gehämmert, gebohrt, geflucht. Letzteres erst vom Bauarbeiter, nach einer Stunde von mir. Nase voll, Kopf leer. Hat was von Grippe. Aber es stand ja noch ein Programmpunkt auf dem Tagesplan: die Wahlkampfveranstaltung von Frank-Walter Steinmeier.
Doch Herr Steinmeier verspätete sich, musste ja heute noch im Bundestag sprechen. Die MdBs Hagemann und Hartmann machten eine Art Antiwahlkampf, zumindest wirkten sie nicht sehr wählbar. Frau Ahnen steckte dem Moderator einen Zettel mit vorgefertigten Fragen in die Hand um Antworten zu geben, die nicht dazu passten. Und dann wurde noch Autorin Annegret Held auf die Bühne gekarrt, die, wenn sie so schreibt, wie sie spricht, so etwas wie der Uwe Boll der Literaturszene sein dürfte. Furchtbar.
Und dann? Dann musste ich zum Zug. Auf dem Weg dort hin rauschte er dann immerhin an mir vorbei, der Kanzlerkandidat. Dank der Lautsprecher hörte ich zumindest noch die Begrüßung durch Kurt Beck. Und ich dachte mir: Warum haben sie den nicht schon früher auf die Bühne gekarrt? Man kann ihm ja manches vorwerfen, aber Beck kann reden, kann unterhalten. Bei solchen Veranstaltungen braucht man doch Stimmung. Brot und Spiele. Davon war bei Hartmann, Hagemann und Ahnen jedoch nichts zu spüren. Sehr schade. Und so saß ich im Zug, als Steinmeier sprach, vermutlich eloquent und spannend und so, wie man ihn gerne hört. Aber es war halt nicht mein Tag. Am 15.09. geht es dann zu Frau Merkel in Koblenz. Mal schauen, was sie so zu sagen hat. Auch wenn mir der Vergleich zu Steinmeier nun fehlen wird.



