Ja, die Tigerentenkoalition wird noch harmonisch. Ob sich Rainer Brüderle weiterhin Wolfgang Schäuble für seine Späße vorknöpft? Ja, das macht er. Wir haben mal in die Zukunft geblickt.
22. November 2009 Stand up for the Brüderle!
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15. September 2009 Where will it lead us from here?

Die Kanzlerin kommt! So stand es seit Tagen auf Plakaten am Hauptbahnhof. Und sie kam. Die Frau, die unser Land regiert und weiter regieren möchte. Behauptet sie jedenfalls. Aber bei ihrem Auftritt in Koblenz hätten auch leicht Zweifel daran aufkommen können.
Vielleicht war es einfach nur unglücklich. Die Jazzkapelle, die vor Merkels Eintreffen für eine nette Stimmung sorgen sollte, spielte gerade Duffy’s Mercy, als Angie die Bühne betrat:
I’m begging you for mercy
Why won’t you release me?
Ja gut, werden sich die SPD-Wähler in der Menschenmenge gedacht haben, am 27. wollen wir dich ja von deinem Amt erlösen, hab nur noch ein bisschen Geduld, die Entschuldigung nehmen wir dann auch an. Wenn denn SPD-Wähler vor Ort waren. Flaggen der Piraten waren zu sehen, Grüne, Milchbauern, Leute von Attac. Irgendwer buhte auch ein wenig unfreundlich.
Merkels Worte passten zu ihrem Wahlkampf. Freundlich plauderte sie über Adenauer und die Wende, die heutige Zugfahrt und ein bisschen über die Bankenkrise. Kein Wort über politische Gegner oder mögliche Koalitionen. Ein bisschen Eigenwerbung für eine starke CDU/CSU-Fraktion nach der Bundestagswahl, ein bisschen Tschakka – wir schaffen das, die Krise wird bewältigt. Aber es wirkte wie ein Kaffeekränzchen. Eine Frau, die kurz vorbeischneit, ein paar Anekdoten erzählt und dann weiter reist. Die sich noch einmal ins Gedächtnis der Leute ruft, aber irgendwie mit der Wahl abgeschlossen hat.
Vermutlich wird es keine Abschiedstournee. Kein Abschied von Angie als Kanzlerin, aber auch kein Abschied von der großen Koalition. Ihr Auftreten war, wie immer in den letzten Tagen, konfliktvermeidend, ruhig, ein bisschen nervös, auf jeden Fall ohne Biss. Sie will im Moment niemanden verprellen, den sie noch gebrauchen kann. Deswegen durfte auch Franz-Josef Jung mit im Rheingoldexpress von Bonn nach Berlin reisen. Oder sein Dienstwagen ist verschwunden.
Vermutlich wird es aber auch deshalb keine Abschiedstournee, weil die Rolling Stones ihr berühmtes Angie schmetterten, als die Kanzlerin die Bühne verließ. Und die kennen sich ja bestens aus mit Abschiedstourneen, die keine sind. Where will it lead us from here? Am 27.09. wissen wir mehr. Die Zeichen stehen aber auf eine Fortsetzung der Ehe Merkel-Steinmeier.
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13. September 2009 2 Kreuzchen

“Und warum wählst du per Briefwahl?”
“Aus Faulheit!”
Die erste Assoziation zum neuen Thema des Projekt52, Faulheit nämlich, war die Briefwahl. Denn so geht es sicher vielen am bzw. vor dem 27.09. diesen Jahres, wenn der Deutsche Bundestag neu gewählt wird. Sie ist aber auch bequem. Einfach den Antrag ausfüllen, zur Post damit und auf die Unterlagen warten. Oder mal schnell bei der Gemeindeverwaltung abholen. Zwei Kreuzchen machen, Briefmarke drauf und das gemütliche Frühstück am Wahlsonntag ist gerettet, langes Schlange stehen im Regen droht nicht. Aber besser aus Faulheit per Briefwahl seine Stimme abgeben, als ganz darauf zu verzichten. Ich persönlich bin eigentlich kein Freund der Briefwahl. Oder anders: Ich gehe gerne wählen.
Ich gehe morgens ins Wahlbüro, stelle ich mich in die Schlange und freue mich, wenn relativ viel los ist. Ja, ich finde es gut, wenn die Leute aus meinem Wahlkreis ihre Stimme nutzen und nicht politikverdrossen auf der Couch sitzen bleiben, um am Tag nach der Wahl darüber zu schimpfen, dass ihnen das Ergebnis nicht passt.
In diesem Jahr ist es ein bisschen unsicher, ob ich am Wahltag selbst in meinem Wahlkreis bin oder mitten im Umzug stecke. Hängt davon ab, ob die Vermieter unserer Wunschwohnungen mit ihrer Auswahl mal in die Pötte kommen oder nicht. Aber bevor ich am 27. in Köln einen Schrank die Treppe hochschleppe und keine Kreuzchen machen kann, nutze ich lieber die Methode per Post. Und sollte ich am Wahltag doch hier sein, dann laufe ich am Wahlbüro vorbei und schaue, ob was los ist. Und hoffe, dass dem so ist. Und an alle die, die immer noch hadern, ob sie am 27.09. wählen sollen: Ja, verdammt!
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08. September 2009 Für die linke Spur zu langsam…

…für die rechte Spur zu schnell. Das sang einst Tom Liwa. Und irgendwie passt das zum heutigen Tag. Ich hätte auf meine Katze hören sollen. Die krallte sich heute morgen in mein T-Shirt, als ich aufstehen wollte. Bleib liegen, schien sie anzudeuten. Aber meine innere Stimme antwortete, nein, heute steht zuviel an. Ich riss die Fenster auf und mir schlug 8°C kühler Nebel entgegen, der meiner Katze beiseite springen wollte. Das Fenster war schnell wieder zu.
Aber heute war halt der Wurm drin. Die erste Station war der Zahnarzt. Ich sollte gekrönt werden, doch die Krone passte nicht. Gut, damit hatten sicher schon manche Könige und Kaiser zu leben, aber ich darf nun nächste Woche wieder zur Anprobe. Von Wiesbaden wollte ich nach Mainz in die Uni, doch der Zug fiel aus. Passend zum Wetter kaufte ich mir im nahegelegenen Einkaufszentrum einen Schal gegen die morgendliche Nebelkälte und einen Iced Cafe Mocha Raspberry gegen die Mittagshitze.
In Mainz ging es erst einmal in die Bibliothek. Die wird, Semesterferien hurra, umgebaut. Es wurde gehämmert, gebohrt, geflucht. Letzteres erst vom Bauarbeiter, nach einer Stunde von mir. Nase voll, Kopf leer. Hat was von Grippe. Aber es stand ja noch ein Programmpunkt auf dem Tagesplan: die Wahlkampfveranstaltung von Frank-Walter Steinmeier.
Doch Herr Steinmeier verspätete sich, musste ja heute noch im Bundestag sprechen. Die MdBs Hagemann und Hartmann machten eine Art Antiwahlkampf, zumindest wirkten sie nicht sehr wählbar. Frau Ahnen steckte dem Moderator einen Zettel mit vorgefertigten Fragen in die Hand um Antworten zu geben, die nicht dazu passten. Und dann wurde noch Autorin Annegret Held auf die Bühne gekarrt, die, wenn sie so schreibt, wie sie spricht, so etwas wie der Uwe Boll der Literaturszene sein dürfte. Furchtbar.
Und dann? Dann musste ich zum Zug. Auf dem Weg dort hin rauschte er dann immerhin an mir vorbei, der Kanzlerkandidat. Dank der Lautsprecher hörte ich zumindest noch die Begrüßung durch Kurt Beck. Und ich dachte mir: Warum haben sie den nicht schon früher auf die Bühne gekarrt? Man kann ihm ja manches vorwerfen, aber Beck kann reden, kann unterhalten. Bei solchen Veranstaltungen braucht man doch Stimmung. Brot und Spiele. Davon war bei Hartmann, Hagemann und Ahnen jedoch nichts zu spüren. Sehr schade. Und so saß ich im Zug, als Steinmeier sprach, vermutlich eloquent und spannend und so, wie man ihn gerne hört. Aber es war halt nicht mein Tag. Am 15.09. geht es dann zu Frau Merkel in Koblenz. Mal schauen, was sie so zu sagen hat. Auch wenn mir der Vergleich zu Steinmeier nun fehlen wird.
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22. Juni 2009 Print lebt!

Fernab der eigenen vier Wände lerne ich sie immer wieder zu schätzen: die gute, alte Tageszeitung. Zuhause lese ich sie fast nie. Statt mich morgens mit Orangensaft, Honigbrötchen und der Rhein-Zeitung an den Frühstückstisch zu setzen, schnappe ich mir einen Kaffee und mein Notebook und hocke mich aufs Sofa. Firefox auf und ab zu Spiegel Online und Reuters für Nachrichten aus der Politik, zu kicker.de für Neuigkeiten aus der Welt des Sports und zum Onlineauftritt der BILD-Zeitung für Meldungen aus dem Boulevard und wenn ich mich mal wieder über unseriösen Journalismus ärgern möchte.
In der Tageszeitung selbst blättere ich eher nur, während ich mir einen neuen Kaffee durch die Maschine jage oder koche. Oder eben wenn ich außer Haus bin. Ich lese Zeitungen gerne im Zug. Natürlich nicht immer. Manchmal kaufe ich mir eine am Kiosk. Immer eine andere. Mal die FAZ, mal die Süddeutsche, je nachdem, was für Themen das Titelblatt hergibt. Manchmal schaue ich, was andere Zugreisende nach dem Ende ihrer Reise in der Bahn haben liegen lassen. Viel zu oft ist es übrigens der Express.
Noch wichtiger sind Printmedien aber im Urlaub oder auf Seminarfahrten. Das habe ich erst vergangene Woche in Berlin gemerkt. Wir hatten weder ein Fernsehgerät noch ein Radio auf dem Zimmer. Wir hatten kein offenes WLAN und kein iPhone. Neue Medien waren in Gebäude 62 noch nicht angekommen. In der Welt passierte einiges, Studenten protestierten gegen die Bildungspolitik, im Iran gingen die Menschen gegen Ahmadinedschad auf die Straße, der Bundestag winkte ein Gesetz zur Internetzensur durch. Davon bekamen wir wenig mit.
Im Gespräch mit MdB Lamers dann, als er auf die Entführung und Ermordung von Deutschen im Jemen zu sprechen kam, wurde es mir richtig deutlich: Verdammt, ich hab keine Ahnung, was seit der Nacht von Montag auf Dienstag so passiert ist. Die ganzen Eindrücke in Berlin, im Regierungsviertel, aber auch in der Stadt und in unserer Gruppe haben alles andere ausgeblendet. Manche Dinge drangen zwar per Anruf zu uns durch, wie etwa den Sturm des Landtags Rheinland-Pfalz durch Studenten oder den Sitzstreik auf Straßenkreuzungen von rund 300 Schülern in Mainz. Aber das war es auch schon. Im Auswärtigen Amt, dem nächsten Punkt auf unserer vollgepackten Agenda, kaufte ich mir erstmal eine Süddeutsche. Eine gute Entscheidung in zweierlei Hinsicht. Nicht nur der Informationen wegen. Auch, weil es später am Tag regnete. Und so eine Zeitung ist immer noch der beste Schirmersatz. Da kann kein digitales Medium mithalten.
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