
Was macht man bloß am heißesten Tag des Jahres? Man legt sich ins Eisfach des Kühlschranks, badet im Pool der im Urlaub verweilenden Nachbarn oder geht nackt Schlittschuh laufen. Ja, oder man rennt durch Berlin.
Nach leckerem Frühstück im Hotel mit Kaffee in Kännchen – sowas gibt es tatsächlich noch in Zeiten von Latte Macchiato und der Rückkehr der Milchschaumschlürfer, ich war hin und weg – lief ich planlos in der Gegend herum. Absichtlich. Ich mag das, mich einfach mal ohne Karte irgendwohin treiben zu lassen. Das war anfangs sehr schön, als ich noch am Prenzlauer Berg war, aber je länger ich lief, desto mehr merkte ich: Fehler!
Denn nach anderthalb Stunden kamen gleich zwei Probleme auf einmal. Erstens: Meine Wasserflasche war leer und das Thermometer schon bei gefühlten 34°C angekommen. Zweitens: Ich stand auf einmal dort, wo ich überhaupt nicht hin wollte. Mitten im Touri-Viertel. Ja, das hört sich jetzt komisch an, der Rheinland-Pfälzer, der ja eigentlich selbst Touri ist. Aber es gibt ja schließlich Touris und Touris. Also solche, die einfach nur zufällig oder für Konzerte oder Fußball oder zum Leute besuchen in der Stadt sind und die Fraktion mit Socken in Sandalen und kleinen Digitalkameras am Handgurt. Aber die haben ja immer ihre Treckingflaschen dabei und können nicht verdursten. Ich schon.
Die Suche nach einem Supermarkt war, gelinde gesagt, schwierig. Immer weiter trieb ich in die Stadtmitte hinein, über die Museumsinsel auf die Friedrichstraße, aber irgendwann leuchtete ein Kaisers-Schild auf. Na Glück gehabt. Flasche Wasser und Müller Fructiv, mein persönliches Red Bull, Kaugummis, weiter. Ich ging noch ein bisschen die Straße runter, landete am Checkpoint Charlie und machte den nächsten Fehler: Ich verzichtete wieder darauf auf meine Karte zu schauen und ging einfach – zurück. Ich stand kurz vor Kreuzberg, gar nicht weit von Curry36, wusste es aber nicht und drehte um. Fail Galore!
Das Wetter zollte seinen Tribut. Die Sonne stand im Zenit, selbst in den Häuserschlachten war kaum noch Schatten zu finden. Ich war platt, ließ mich am Brandenburger Tor auf ein paar Sportmatten fallen, schaute mir die Live-Übertragung aus dem Olympiastadion an, bis die Mittagspause begann und zog weiter. Check Point Curry war mein Ziel. Am Standort am Bahnhof Friedrichstraße angekommen, stellte ich fest: Hier ist eine Baustelle, aber keine Currywurstbude. Ich sah einen Mann an einer Schiffsanlegestelle.
Ich: Entschuldigen Sie, wissen Sie wo Check Point Curry hingezogen ist?
Mann: Ja, zum so-und-so-Ring.
Ich: Wie komme ich denn da hin?
Mann: Sie gehen bis zur Kreuzung da vorne und dann immer geradeaus.
Ich (erfreut): Ist das weit?
Mann (ernst, fast betroffen): So… 4 Kilometer?
Ich: Äh… (seufz)
Ich machte das, was nun die sinnvollste Entscheidung nach der langen Tour durch Berlin war. Nein, ich zog mir kein S-Bahn-Ticket zum Mehringdamm und Curry36, nein, auch nicht zum neuen Standort von Check Point Curry. Ich lief zum Paul-Löbe-Haus, streckte die Füße in die Spree und genoss den heißesten Tag des Jahres. Keine Currywurst, kein Shopping in Indie-Klamottenläden. Dafür das erfrischende Wasser des Flusses zwischen den Zehen. Und irgendwie war das am heißesten Tag des Jahres doch der vielleicht gelungenste Abschluss der Reise nach Berlin.