thestiller.de / ATTACK OF THE 50 FT SURICATES!



30. April 2009 In the Garage I feel safe

Ein Geständnis zu Beginn. Wenn ich mir Tourdaten ansehe und in der Liste die Garage in Saarbrücken auftaucht, in meinem Ohr ertönt sofort ein kleiner Männerchor, der lauthals In The Garage von Weezer gröhlt. Kann ich nix gegen machen. Ist aber auch nicht weiter schlimm, toller Song. Aber weiter im Text. Als die Konzerttermine der Ting Tings für den April rauskamen und Saarbrücken in der Liste stand und in meinem Ohr wieder munter geträllert wurde, da war die Entscheidung schnell gefällt. Die Ting Tings waren letzten November schon in Köln ihr Geld wert, in Saarbrücken war ich, glaube ich, noch nie, in der Garage somit auch nicht und mit Stefan gabs ne Begleitung. Warum also ins wesentlich nähere Darmstadt fahren?

Und es hat sich gelohnt. Großartige Konzerthalle, sogar mit einem Kickertisch im Thekenraum. Als Support war leider nicht, wie in Frankreich, die ach so tolle Little Boots dabei, sondern Sir Moron and the Villians, die sehr britisch klangen, sehr britisch taten, dann aber doch aus dem saarländischen Neunkirchen stammen. Sachen gibts. Der Sympathiefaktor des Sängers lag, spätestens nach der in die Menge geworfenen brennenden Kippe und dem Mobbing der Frontreihengören irgendwo zwischen Cristiano Ronaldo und Silvio Berlusconi, aber die gute Stimme und die nette Musik retteten ihn und seine Band vermutlich vor Becherwürfen.

Nun aber zu den wirklich wichtigen Menschen des Abends. Katie White und Jules De Martino spielten zwar nur wieder ihre 10 Albumtracks, hatten weder neue Songs noch Coverversionen auf die Setlist gekritzelt, aber zwei Zahlen machen deutlich, dass sie einfach auf und wir alle vor die Bühne gehören.

Albumlänge: 38 Minuten
Konzertdauer: > 60 Minuten

Egal ob mit der Riesenpauke, mit Kuhglocke oder einfach mit Gitarre, Bass, Keyboard und Drums, jeder Song wird anders arrangiert und aufgepeppt. Manchmal möchte man sich wirklich verwundert die Augen reiben und sich fragen, ob da wirklich nur zwei Personen auf der Bühne stehen. Jap. Er mit seiner coolen Sonnenbrille, sie im Minimaus-Kostüm, nur ohne die Ohren. Wer jetzt noch Zweifel an der Kreativität der Ting Tings hat, der sollte ein Auge auf den Merchstand werfen. Für 5€ gibts dort eine 7″ von Fruit Machine in einer weißen Blankohülle, die von den beiden bekritzelt wurde. Jede irgendwie anders. Gott, ist das charmant.

Setlist
1. We Walk
2. Great DJ
3. Fruit Machine
4. Keep Your Head
5. Traffic Light
6. Be The One
7. We Started Nothing
8. Shut Up And Let Me Go
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9. Impacilla Carpisung
10. That’s Not My Name

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27. April 2009 Jauchsches Wissen – Teil 1

In der Universität eignet man sich allerhand mehr oder weniger nützliches Wissen an. Zumindest hilft es, um beim Spiel des Wissens nicht ganz so doof auszusehen und bei Wer wird Millionär überschlau mit den Fingern zu schnipsen, so wie der blöde Klassenstreber in der 7., der dafür die volle Ladung Spuckekügelchen in den Nacken bekam.

Damit ihr, wenn ihr irgendwann mal bei Günther Jauch oder Jörg Pilawa sitzt oder in der Telefonleitung von Kaffee oder Tee hängt, vielleicht die ein oder andere Frage beantworten könnt, gibt es hier ab sofort und immer mal wieder interessante Dinge, die meine Dozenten für wissenswert halten. Und solltet ihr reich nach Hause kommen, dann schreibt mir und ich geb euch meine Kontonummer für meinen Anteil. Vielen Dank!

Die USA haben seit dem zweiten Weltkrieg keinem Land mehr den Krieg erklärt. Damals waren das Deutschland, Italien und Japan (Dezember 1941), sowie Bulgarien, Rumänien und Ungarn (Juni 1942). Alle weiteren Scharmützel, egal ob in Vietnam, im Irak oder in Afghanistan, waren vom Kongress verabschiedete Resolutionen. Ein offizielles “Hey Saddam, jetzt ist Krieg!” gab es nie.

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26. April 2009 Regierung killed the radio stars. Not!

Wer erinnert sich noch an Piratensender Powerplay? Einer dieser deutschen Zotenfilme mit Thomas Gottschalk und Mike Krüger aus den 80ern um einen beim Volk beliebten und von der Regierung verfolgten Piraten-Radiosender? Nun, falls ihr ihn damals verpasst habt, aus England kommt ein amüsanter und charmanter Nachfolger mit exzellenter Besetzung: Radio Rock Revolution.

England 1966. Der 18jährige Carl fliegt von der Schule und wird von seiner Mutter zu seinem Patenonkel Quentin (Bill Nighy) geschickt. Der leitet allerdings kein Eliteinternat und ist auch kein Offizier bei der Army, sondern Chef von Radio Rock, einem Radiosender, der von einem alten Schiff aus Rockmusik ins Vereinigte Königreich sendet – sehr zum Missfallen der Regierung. Allerdings gibt es kein Gesetz, dass Piratensender verbietet. Minister Dormandy (Kenneth Branagh) setzt seinen Mitarbeiter Twatt (Jack Davenport) auf die DJs an.

Wirklich ernsthaft verfolgt der Film die Story jedoch nicht. Zwar scheint der junge Carl erst in eine Liebesgeschichte zu schlittern, aber das hat sich erstmal schnell erledigt und auch der scheinbare Grund seiner Anwesenheit auf dem Schiff steht weniger im Vordergrund, als es zunächst erscheint. In bunten Bildern wird stattdessen das Leben vor dem Mikrofon an Bord und an den Lautsprechern in den Wohnungen der Hörer gezeigt, dazu immer wieder das missmutige Gesicht des Ministers. Die Moderatoren reißen ihre Witze, die schrecklich normal, abgedroschen und somit authentisch sind. Der Film ist nicht auf Brüller aus und das sorgt für einen ganz besonderen Charme. Und mit großartigen Schauspielern wie Philip Seymour Hoffman, Rhys Ifans (der mit seiner Sonnenbrille als Liam Gallagher Look-a-Like durchgehen könnte) und Nick Frost ist Love Actually-Regisseur Richard Curtis ein amüsantes Portrait der 60er-Jahre gelungen. Zumindest der 60er-Jahre, wie wir sie vorstellen. Bunt, liebestoll und voller Musik.

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23. April 2009 Christopher Moore – Fool

Der erste Satz
“Wichser!”, krächzte der Rabe.

Kichern in der S-Bahn. Prusten in der Bibliothek. Lachtränen im Buchladen. Ich habe oft Menschen Bücher von Christopher Moore lesen sehen und musste später feststellen, dass all diese Symptome auch bei mir auftraten. Inklusive der irritierten, verständnislosen oder auch bösen Blicke meiner Mitmenschen. Über Filme, Serien oder dusselige Miezen bei youtube darf man ohne Probleme lachen, bei Literatur hört bei vielen der Spaß auf. Ha, du doppelzüngige deutsche Sprache. Wie dem auch sei. Ich habe alle Bücher von Moore gelesen und mich fast immer mehr als gut amüsiert. Egal ob über Vampire und Seelenfänger in San Francisco, gefräßige Dämonen und lüsterne Seeungeheuer in Pine Cove oder das in der Bibel zensierte nicht bekannte Jugendleben des Jesus.

Und nun ist der gute Shakespeare dran. Fool erzählt die Geschichte von König Lear aus der Sicht des Narren Pocket. Dazu gesellen sich Figuren aus anderen von Wills Stücken, wie die drei Hexen und Geistererscheinungen aus Macbeth. Und was ist das für ein wildes Treiben am Hofe Lears. Selbst Peter ‘Die Stoßburg’ Steiner wäre bei der Lektüre zart errötet. Vermutlich. Pocket, im Kloster aufgewachsen und von einer eingemauerten Eremitin in weltliche Geschichten und Genüsse eingeweiht, ist erzürnt. König Lear stellte seinen drei Töchtern eine Liebesprobe. Zwei logen ihn an, er fiel dennoch darauf rein und schenkte ihnen große Teile seines Reiches. Des Königs liebste Tochter (und auch Pockets liebste Prinzessin) hingegen sagte die Wahrheit und wurde enterbt, Lears alter Weggefährte Kent protestierte und bekam als Dank die Verbannung vom Hofe in die Hand gedrückt. Und plötzlich umspukt ein Geist den Narren, schickt ihn auf die Suche nach den drei Hexen und ein gerissenes Spiel um Betrug und Krieg beginnt.

“Sieht aus wie ein frisch gebohnertes Schachbrett, oder? Der König schlurft mit kleinen Schritten, ziellos wie ein Trunkenbold, der dem Bolzen einer Armbrust auszuweichen sucht. Die anderen verfolgen ihre Strategien und warten nur darauf, dass der Alte fällt. Er hat keine Macht, und doch alle Macht kreist um ihn, und das nach seiner Lust und Laune. Wusstet Ihr, dass es beim Schach keinen Narren gibt, Kent?”

“Mich dünkt, Narr ist der Spieler selbst, das Köpfchen, das die Züge ersinnt.”

“Also wenn das kein juckender Eimer Katzenwichse ist.” Ich wandte mich dem alten Ritter zu. “Aber durchaus hübsch formuliert.”

(Christopher Moore: Fool. Goldmann 2009, S. 210)

Shakespeare-Freunde müssen nicht wütend mit den Zähnen knirschen, der gute Will wird nicht böse verwurstet. Fool ist vielmehr eine Hommage an die alten britischen Geschichten, nur eben ganz in Moores bester Tradition. Da schmiert sich der Narr schon mal Tierfett an die Schuhglöckchen um sie an die Hexen heranzuschleichen und stolpert über Katzen, die eben jenes Fett wegschlabbern wollen. Da wird Pockets einfältiger Narrenazubi vom sexuell wenig aktiven Geist geritten. Und der König von Frankreich hat nicht nur die Traumprinzessin der Hauptfigur abgegriffen, sondern auch noch den Namen, den der Narr eigentlich seinem Äffchen geben wollte, wenn er denn eines hätte. Schwere Zeiten, in denen Britannien einst steckte, fürwahr. Und wenn am Ende Leben enden und Ehen beginnen, Stammbäume neu gemalt werden müssen, da hätte wohl auch der alte Will anerkennend seinen Hut gezückt. Einen abgewichsten Strippenzieher hätte er Moore genannt. Nun, zumindest mit Moores Worten.

Kategorie: Literatur | # | 1 Kommentar

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