
Foto: Warner Brothers
Die Frage, ob ich Maurice Sendaks Buchvorlage von Wo die wilden Kerle wohnen gelesen habe, kann ich mit einem klaren “Ich habe keine Ahnung.” beantworten. Möglich ist es. Als Kind natürlich. Aber ich weiß es wirklich nicht. Trotzdem war mir der Titel ein Begriff und der Trailer mit seinen wunderschönen Bildern und der tollen Musik von Arcade Fire machte Lust auf mehr. Als ich aus dem Kino kam, war ich, hm, nicht enttäuscht. Aber auch nicht überwältigt. Und ich denke, es liegt an einem einzigen Punkt – dem Kind.
Die Hauptfigur, der kleine Max, ist ein Blach vor dem Herrn. Nicht bösartig, aber Kinderpsychologen würden vermutlich alle mit der ADHS-Keule winken und ihre Ritalinpillen aus der Schublade zaubern. Seine ältere Schwester will nicht mit ihm spielen. Doch Max will unterhalten werden und bewirft ihre Freunde mit Schneebällen. Und ist glückselig, denn sie steigen in die Schneeballschlacht ein. Aber dann wird aus Versehen sein selbstgebautes Iglu zerstört. Max heult und wütet im Zimmer seiner Schwester. Zwar merkt man, es tut ihm leid, aber meine Sympathien hat er schon verspielt. Natürlich blöd, schließlich ist er die Hauptfigur.
Nach einem Streit mit seiner Mutter flüchtet er in seinem Wolfskostüm aus dem Haus, durch Gärten und Waldstücke, springt in ein Boot und strandet auf einer einsamen Insel – die Heimat der wilden Kerle. Auch sie haben Probleme untereinander und ernennen Max zu ihrem König. Zunächst scheint es, als könne der Junge mit seiner verspielten Art, seiner Phantasie und der Aufmerksamkeit, die er nun bekommt, die großen, pelzigen Tiere näher zusammenbringen. Aber bald stößt er an seine Grenzen und findet dabei in ihren Charakteren sich und seine Familie wieder.
Punkten kann der Film sicher durch seine Bilder, die vor Licht und Wärme strotzen. Die wilden Kerle sind perfekt gestaltet und die Schauspieler, die ihnen ihre Stimmen leihen, sind zum Teil gut zu erkennen. Besonders die von James Gandolfini und Forrest Whitaker gesprochenen Carol und Ira. Der Soundtrack ist, nun, mehr als groß. Die oben angesprochenen Arcade Fire sind zwar nicht vertreten, dafür durfte sich die Yeah Yeah Yeahs-Frontfrau Karen O austoben. Und ihre Melodien und ihr Gesang haben, da lehne ich mich sicher nicht aus dem Fenster, den Oscar für den besten Soundtrack verdient.
Tja, aber der Wermutstropfen. Ich konnte nicht richtig in die Welt der wilden Kerle eintauchen. Trotz der Bilder und der Musik. Die Hauptfigur war einfach nicht mein Ding. Er macht seiner Mutter das Leben schwer, zieht manche wilden Kerle den anderen vor (besonders beim Kriegsspiel). Er ist nie niedlich, nie liebenswert, auch wenn keine seiner Taten böse Absicht ist. Irgendwie eine schwierige Geschichte. Die vielleicht ohne Dialoge, nur mit Bild und Musik mehr Freude entfachen könnte. Würde zur Vorlage passen, schließlich stehen in Sendaks Buch auch nur wenig mehr als eine handvoll Wörter.
ey stiller, sei mal still, ja?! jetzt versau mir doch nicht monatelange vorfreude…
Hm, vielleicht kommst du ja besser mit Max klar. Schließlich hat der Film ja allerhand gute Bewertungen bekommen.
Die Musik war hinreißend. Der Junge hat mich leider auch gestört.
oh no… ich les nie wieder kino-kritiken! hab mich soooo sehr auf meinen sonntag-nachmittag-kino-date gefreut. jetzt habe ich starke vorurteile
Ich tu’ ma so als hätte ich es nicht gelesen…
Film auch gesehen – fand vor allem die Kerle wirklich super nett zum ansehen!