
Foto: Tobis
“Hast du Scheiße am Fuß, hast du Scheiße am Fuß!”
Andreas Brehme ist sicher nicht der weiseste Mann auf diesem Planeten. Aber in diesem Satz von ihm steckt sehr viel Wahrheit. Und wäre Brehme Amerikaner oder die Coens Deutsche, dann würden sie ihn kennen und hätten seine Aussage sicher ins Skript von A Serious Man geschrieben. So dreht sich alles um Jefferson Airplane. When the truth is found to be lies and all the joy within you dies, don’t you want somebody to love? Dabei braucht Physikprofessor Larry Gopnik vielleicht erst einmal jemanden der ihm zuhört. Und der ihm erklärt, warum er soviel Scheiße am Fuß hat.
Beim Arztbesuch ist noch alles in Ordnung. Völlig gesund sei er, versichert ihm der Doktor und steckt sich eine Zigarette an. Doch dann geht alles bergab. Ein koreanischer Student will ihn bestechen, seine Frau die Scheidung, seine Tochter eine Nasen-OP, sein Sohn Haschisch. Seine Festanstellung wackelt, weil ihn jemand mit Briefen bei der Universitätsleitung diskreditiert, sein Nachbar plant einen unangenehmen Anbau. Und sein Bruder blockiert das Bad.
Er sucht Rat bei den Rabbis seiner Heimatgemeinde, doch die verwirren ihn mit ihren Gleichnissen nur noch mehr. Symptomatisch erhält er einen Anruf von einem Mann namens Dick Dutton. Dieser erklärt ihm, er müsse eine Rechnung für ein Plattenabo begleichen. Monatlich habe er eine von der Firma ausgewählte Platte erhalten. Ohne eigenes Zutun. Doch da er sie nicht zurückschickte, muss er nun dafür zahlen. Dass nicht er, sondern sein Sohn ihn in diesem amerikanischen Bertelsmann Club der 1960er Jahre angemeldet hat, ist nur noch mehr Zeugnis darüber, wie wenig Larry sein Leben unter Kontrolle hat. Doch plötzlich scheint sich das Blatt zu wenden.
A Serious Man ist ein sehr ruhiger Film. Aber nicht minder böse. Wie all das Unheil über Larry einbricht, ohne dass er was dafür kann, ohne, dass er selbst die Situation ändern kann, ist schlüssig und überraschend zugleich. Die Coens haben den Film wieder einmal mit großartigen Schauspielern besetzt. Der mir bislang unbekannte Michael Stuhlberg spielt den gebeutelten Professor. Adam Arkin als Scheidungsanwalt, Scrubs-Hypochonder Richard Kind als Larrys Bruder und Simon Helberg (The Big Bang Theory) als Junior Rabbi geben herrlich schrullige Gestalten ab, die Larry keinerlei Hilfe sind.
Die vielleicht besten Minuten des Films sind allerdings die ersten. Im Prolog des Films, angesiedelt irgendwann in der Blockhüttenzeit des 19. Jahrhunderts und auf Jiddisch vertont, taucht ein vermeintlich Toter in einem kleinen Dorf auf. Ein Ehepaar streitet darüber, ob dieser Mann tatsächlich tot sei. Die Frau, von dessen Ableben drei Jahre zuvor überzeugt, sticht ihm einen Eispickel ins Herz. Der Mann lacht. Ob sie tatsächlich glaube, dass er ein Dibbuk sei, eine Art Dämon in der jüdischen Mythologie? Dann erst läuft ihm Blut aus der Brust. Er erhebt sich und geht hinaus in die Winternacht. Am Ende des Films klingelt Larrys Telefon. Sein Arzt möchte ihn sprechen.
Da hat mich schon der Trailer sehr angesprochen.
Den werde ich mir auf jeden Fall noch ansehen müssen.
Soll ja auch kein typischer Cohen Brüder Film sein.
Joa, geht so. Diese Art Charaktere zu präsentieren und die Story ist schon Coen-like.
@Jens: mehr “Coen-typisch” als A Serious Man, geht eigentlich kaum
Schräge Charaktere, Storylines die ins nichts führen und skurrile Dialoge – ist sicherlich nicht was für jeden Kinogänger, aber dennoch ein guter Film