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Lars und die Frauen

Lars und die Frauen ist einer der Filme, der nicht nur unterschätzt, sondern auch völlig falsch eingeschätzt wird. Das beginnt schon beim Titel. Lars und die Frauen klingt nach Brigitte-Klientel. Wäre Lars und die Gummipuppe besser gewesen? Vermutlich nicht, hätte eher pubertierende Jungs angezogen, die man bei einem solchen Film nicht in der Kinoreihe vor sich haben möchte. Im Original heißt er Lars and the Real Girl. Vielleicht sollten sich die Filmvermarkter auch einmal dazu durchringen, den Originaltitel zu nutzen. Gerade bei Filmen, die fast nur in Programmkinos laufen und Leuten gesehen werden, die bei Begriffen wie dem Sundance Festival nicht an einen Technoevent am Ballermann denken.

Lars ist 27 und ein Eigenbrödler. Während sein Bruder Gus und dessen schwangere Frau Karin im Elternhaus der Geschwister wohnen, ist Lars in die Garage gezogen. Soziale Beziehungen sind für ihn ein Problem, gerade zu Frauen, wie auch bei seiner neuen Kollegin Margo. Karin versucht immer wieder ihren Schwager zum Frühstück oder Abendessen einzuladen, doch Lars blockt ab. Eines Abends steht er dennoch vor ihrer Tür. Er strahlt. Er habe Besuch, eine Frau sei bei ihm, aus dem Internet. Gus und Karin freuen sich und laden Lars und Bianca zum Abendessen ein. Und ihre Kinnladen fallen auf die Knie – Bianca ist eine Gummipuppe.

Wer einen Slapstickfilm oder überhaupt eine Komödie erwartet, der liegt falsch. Der Film hat seine witzigen Momente. Aber bei vielen dieser Momente liegen Lachen und Bestürzung nah beieinander. Denn Lars leidet an einer Wahnvorstellung. Für ihn ist Bianca echt. Er bestimmt ihre Vergangenheit, ihre Gefühle und ihren Zustand. Er spricht mit ihr, nimmt sie mit zu Parties und schneidet ihr Essen. Und die Ärztin des Städchens rät Gus und Karin mitzuspielen, um Lars wieder zu heilen.

Vieles macht Lars and the Real Girl zu einem großartigen Film. Die Wärme, die sämtliche Bewohner der Kleinstadt im Umgang mit Lars zeigen, indem sie mitspielen und Bianca zum Teil ihrer Gemeinde machen. Ihr Jobs im Einkaufszentrum und Krankenhaus anbieten. Und bestürzt sind, als Bianca erkrankt. Aber auch die darstellerische Leistung von Ryan Gosling, Emily Mortimer und Paul Schneider, die hier perfekte Schauspielkunst an den Tag legen. Nicht ihre Worte zeigen ihre Gefühle, es ist oft nur die Mimik und die Gestik, die berührt und mitreißt.

Es ist, gerade an diesem Oscar-Wochenende, wirklich merkwürdig, dass Ryan Gosling nicht für einen Academy Award nominiert wurde (der Trailer bezieht sich auf seine Nominierung für Half Nelson). Er wurde für einige Filmpreise nominiert und erhielt immerhin den Satellite Award für den besten Hauptdarsteller, aber die Oscar-Jury ignorierte seine Darbietung. Für mich ist es eine der perfektesten Schauspielleistungen der Filmgeschichte, die Gosling und das gesamte Ensemble abgeliefert haben. Und ein wunderschöner, leicht melancholischer, aber auch mutmachender Film. Ein langsamer Film. Auf jeden Fall mehr, als man es bei dem eher lahmen deutschen Titel erwarten kann.

07. März 2010 | Kategorie: Filme und Serien

16 Kommentare zu Lars und die Frauen

  1. nicki schrieb am 07. März 2010 um 15:06 Uhr:

    GROßartiger Film und wie du schreibst leider unterschätzt!


  2. LaRocca schrieb am 07. März 2010 um 15:11 Uhr:

    Ja, du sagst es. Dieser deutsche Titel versaut es einem ein wenig. Als ich ihn zum ersten Mal las, hab ich die Inhaltsangabe einfach übersprungen, weil es mich gar nicht ansprach. Großer Fehler. Dann sah ich die DVD aber vor wenigen Monaten im Saturn im Angebot und nahm sie aufgrund des interessanten Covers in die Hand. Rückseite angeschaut, neugierig geworden, gekauft, geguckt, verliebt. Sehr schöner Film. :)


  3. elbenno schrieb am 07. März 2010 um 17:59 Uhr:

    Ist schon notiert, Herr Stiller! Fein.


  4. Tina Pappnase schrieb am 07. März 2010 um 18:40 Uhr:

    Oh, den Film haben wir auch vor über einem Jahr etwa gesehen.

    GENIAL!
    Ein wirklich wunderschöner Film.
    Könnte ich eigentlich mal wieder schauen…..

    Danke.


  5. Maren schrieb am 07. März 2010 um 18:41 Uhr:

    Wie witzig, den habe ich mir am Freitag ausgeliehen und nun bloggst du über den Film. Leider konnte ich den nicht lange gucken, meine Freundin fand ihn langweilig und die Mutter wurde müde. Aber die Mutter und ich wollen uns den gerne nochmal ausleihen und diesmal gucken.


  6. Celina schrieb am 07. März 2010 um 19:11 Uhr:

    Den Film möchte ich schon seit langem sehen. Gerade weil viele sagen, der Film sei nicht sonderlich toll, aber es kam mehr als einmal vor, dass ich die Filme dann toll fand. Ich habe von ihm auch auch ein oder zweimal als Insidertipp gehört. Irgendwann schaue ich ihn mir auf jeden Fall auch an.


  7. Torsten schrieb am 07. März 2010 um 19:36 Uhr:

    Der Film scheint richtig klasse zu sein. Werd ich mir dann demnächst wohl antun!


  8. Mary Malloy schrieb am 07. März 2010 um 21:29 Uhr:

    Cool, den schau ich mir an. Danke für den Tipp! ;)


  9. Jens schrieb am 07. März 2010 um 23:28 Uhr:

    wie du mir mit dem ersten absatz aus der seele sprichst… vor allem bei dem satz mit dem sundance musste ich schmunzeln :D


  10. Dani schrieb am 08. März 2010 um 11:05 Uhr:

    Danke, das war ein schöner Zeitvertreib für den Sonntagabend.

    Obwohl ich ja trotz der eher melancholischen Grundstimmung nicht umhin kam mich ab und zu über Lars’ Pullis zu beömmeln…


  11. Chris schrieb am 08. März 2010 um 15:35 Uhr:

    Man dankt für den Tipp :)


  12. Kleinod schrieb am 08. März 2010 um 20:23 Uhr:

    Der Film ist groß, ganz groß und mit der beste Streifen, den ich dieses Jahr bisher gesehen habe. Ryan Gosling spielt so gut, dass man ihm gerne auf Knien huldigen und ihm einen Schrein erbauen möchte. Ärgere mich gerade, dass ich den damals zum Film angefangenen Blogeintrag einfach über den Haufen geworfen habe. So bloggenswert. Umso schöner, ihn bei dir zu finden!

    Menschen. Schaut diesen Film.


  13. Yannick schrieb am 09. März 2010 um 00:29 Uhr:

    Davon hatte ich mal gelesen. Muss schon länger her sein. Film ist im Amazonwarenkorb ;)


  14. stiller schrieb am 09. März 2010 um 08:22 Uhr:

    So schön, dass viele von euch den Film kennen oder zumindest sehen wollen. :)

    Dani: Das mit den Pullis stimmt. Eigentlich würde ich jetzt noch was zu dem Pulli schreiben, den Lars am Ende des Films trägt, aber ich will nicht spoilern. :)

    Kleinod: Das hätte ich nur zu gern gelesen. :)


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