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lit.COLOGNE

In den 1960er Jahren war Köln schon einmal die deutsche Metropole der Literatur. Die Wiege der Beatpoesie unseres Landes liegt hier am Rhein. Rolf Dieter Brinkmann brachte nicht nur amerikanische Autoren wie Frank O’Hara über den Atlantik in die Köpfe der Studenten, er schrieb auch selbst angreifende, mitreißende, teilweise auch schmuddelige Geschichten und Gedichte. Legendär die Aufnahme, bei der er durch die Straßen Kölns läuft, erzählt und wettert und gegen eine Hauswand pinkelt. In den 70ern war der Zauber vorbei. Brinkmann ignorierte während eines England-Besuches die Existenz des Linksverkehrs und wurde auf einem Zebrastreifen überfahren. Doch für anderthalb Wochen im Jahr ist Köln wieder die literarische Hauptstadt Deutschlands – bei der lit.COLOGNE.

Dutzende Autoren und begleitende Schauspieler werden Hände schütteln, Bücher schwenken, Reden halten und vor allem lesen. Was können wir in diesem Jahr erwarten? Wird Roger Willemsen wieder einmal Jazz auflegen, diesmal nur mit einem rosa-farbenen Regenponcho bekleidet? Werden Frank Schirrmacher und Frank Plasberg ihr gesamtes Honorar in Kölsch umtauschen und abends auf der Domplatte den Bläck Föös-Gassenhauer Fronkreich Fronkreich anstimmen? Wird Helene Hegemann sich ihre Maske abziehen und als Charlotte Roche, Heinz Strunk oder doch als Blogger Airen entpuppen? Alles nur bedingt wahrscheinlich, außer vielleicht Rogers Jazz-Auftritt. Trotzdem ist ab Mittwoch allerhand gebacken.

Nobelpreisträgerin Herta Müller hat sich angesagt, Martin Walser ebenso. Wladimir Kaminer wird Geschichten über seine russischen Nachbarn erzählen und Leonie Swann Neues von den Schafen von Glennkill. Siegfried Lenz musste seine Lesung leider krankheitsbedingt absagen. Krimifreunde können sich auf Henning Mankell und Axel Milberg freuen, natürlich auch auf den unvermeidlichen Frank Schätzing. Götz Alsmann lädt ein zum Herrenabend, einen anderen liefen Benjamin von Stuckrad-Barre, Christian Ulmen und Wilhelm Wieben ab. Carlos Ruiz Zafon erzählt Schauergeschichten aus seinem neuen Werk Der Fürst des Nebels und die legendäre Patti Smith Wahres aus ihrem Leben.

Karten gibt es nur noch für wenige Veranstaltung. Wer am Donnerstag zu Max Herre oder die Woche drauf zu Nick Hornby geht, der kann sich ja gerne mal melden. Dann plauschen wir wie alte Literaturkenner bei Kaffee und Tee über neue Perlen und absoluten Schund. Ich such schon mal meinen Schal raus. Alles Wissenswerte über das Festival, das Programm und verfügbare Karten findet ihr auf litcologne.de.

08. März 2010 | Kategorie: Literatur

5 Kommentare zu lit.COLOGNE

  1. Jay schrieb am 08. März 2010 um 11:33 Uhr:

    Patti Smith? oO


  2. Nika schrieb am 10. März 2010 um 18:19 Uhr:

    Ach verdammt. Wenn ich nicht noch ne Hausarbeit über postmoderne Lyrik schreiben müsste, dann wäre mir das eine Reise wert gewesen.
    Ach, und danke für den Lesezeichen-Platz ;)


  3. stiller schrieb am 11. März 2010 um 08:27 Uhr:

    Jay: Jap. Hab leider keine Karte mehr für sie bekommen, ein bisschen schade.

    Nika: Am besten schon mal die lit.COLOGNE für 2011 vormerken. :) Und alles Gute für die Hausarbeit natürlich.


  4. Julia schrieb am 11. März 2010 um 16:09 Uhr:

    Heute Abend geht es bei mir mit Herta Müller los. Dann power ich durch bis nächsten Samstag :)

    Ich freu mich so und oute mich damit als absoluten Literaturnerd…!


  5. stiller schrieb am 12. März 2010 um 15:54 Uhr:

    Viel Spaß! :) Bin gespannt auf deine Berichte.



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