Smovie No.01

“Weißt du, was ich manchmal denke? Es müsste immer Musik da sein. Bei allem, was du machst. Wenn es so richtig Scheiße ist, dann ist wenigstens noch die Musik da. Und an der Stelle, wo es am Allerschönsten ist, müsste die Platte springen und du hörst immer nur diesen einen Moment.”

Dieses Zitat kennt jeder. Dass es aus dem wunderbaren Film Absolute Giganten stammt, wissen bedeutend weniger Menschen. Vermutlich ist es das Filmzitat, das hierzulande am häufigsten auf Mixtapes gelandet ist. Als Intro. Vermutlich zurecht. Und es ist irgendwie schön und aufregend, Filmzitate aus seinem szenischen Kontext zu lösen und mit Musik zu vermischen. Noch einen Schritt weiter ging jetzt Jürgen Debus mit Smovie. Er hat Filmszenen und Lieder gesucht, die ein Thema gemein haben: Das Leben… die Dinge… die Zeit.

Um es gleich schon einmal vorweg zu nehmen, das oben genannte Zitat aus Absolute Giganten ist nicht auf Smovie No.01 zu hören. Das wäre vermutlich auch zu banal für ein solches Projekt, obwohl es fast sinnbildlich zu dieser Idee passt. Die Idee selbst entstand im Grunde schon in den frühen 80er-Jahren, als Jürgen Debus mit seinem Kumpel Georg in einem VW-Käfer durch das Land fuhr und dabei, so heißt es im Booklet der CD, aus den Boxen keine Musik, sondern die Tonspur von Butch Cassidy und Sundance Kid lief.

Filme hören also. Auf die Dialoge achten, statt auf vielleicht atemberaubende Bilder. Das Autorenkino noch mehr schätzen lernen und all die 3D-Popcorn-Blockbuster in die Tonne treten. Ein schönes Konzept. Und die Musik? Die Songs werden zu einer Art Soundtrack, verbinden die Dialoge und untermalen diese. Statt, wie im Kino, meist bewegende oder spektakuläre Bilder zu sehen, die durch die Kraft der Musik noch untermalt werden, führen die Texte die Dialoge fort.

Zugegeben, von den 13 Musiktiteln auf Smovie No.01 ist bloß einer, Boys don’t cry von The Cure, in meinem Plattenschrank vertreten. Aber egal ob Klassiker wie He ain’t heavy, he’s my brother von den Hollies, Johnny Nashs I can see clearly now oder Un jour comme un autre von Brigitte Bardot auf der einen Seite oder eher modernere Songs wie No Matter von Jack Radics und das im Radio totgespielte, auf dieser Platte aber gar nicht so nervige Tonight von Reamonn – die Mischung, so unterschiedlich sie sein mag, ist mehr als sorgsam ausgewählt.

Der Fokus liegt dennoch, natürlich, auf den Filmdialogen. Auf den Gesprächen aus Crazy, Persopolis, Match Point, Die Invasion der Barbaren und anderen Filmen. Figuren aus verschiedenen Generationen, Situationen und Ländern kommen zu Wort. Sie unterhalten sich über, ja, das Leben, die Dinge, die Zeit – ein Zitat aus My Blueberry Nights. Über das Gefühl am Meer zu sein, über dieses schwieriger Miteinander von Jungen und Mädchen, über die Erinnerungen eines langen Lebens, über den letzten Streit und über kleine Unterschiede, die vieles bedeuten können.

Nüchtern betrachtet, wirkt Smovie No.01 vielleicht wie ein kleines Theaterstück. Szenen, die immer wieder von Musik unterbrochen werden und dennoch eine große Einheit ergeben. Oder wie ein Hörspiel im Radio. Episoden und Lieder wechseln sich ab, bloß die Staumeldungen fehlen. Emotional betrachtet ist Smovie wie ein Gespräch, nachts, zu zweit auf einer Picknickdecke unter den Sternen. Wir reden. Wir schweigen. Und in der Zwischenzeit spielt der iPod-Musik. Die Ohrstöpsel teilen wir.

Smovie No.01 – Das Leben… die Dinge … die Zeit… erscheint am 30. Oktober 2010. Mehr Informationen findet ihr auf smovie.eu.

14 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. wow. klingt gut. sehr interessant, ich liebe es, dinge zu hören, die man eigentlich schonmal gesehen hat, da fallen einem nuancen direkt auf. (Auch bei nichtgesehenem.)

    und ich muss gestehen: Ich kenne das oberste Zitat nicht. =D

  2. Prinzipiell ist das eine sehr schöne idee. Allerdings kommt es schwer auf die Filme an, die so vertreten sind. :P Persopolis ist super. Mor würden aber noch einige andere gute Filme für sowas einfallen.

  3. Asphyxia: Asche über dein Haupt! :D Aber bei den Nuancen geb ich dir Recht. Man hört halt mehr hin.

    Torsten: Oh yeah! :)

    Timo: :)

    Chaosmacherin: Ich glaube, es kommt dabei gar nicht so sehr auf die Filme an, da ja bloß kleine Sequenzen entnommen werden. Die vielleicht bekannt sind, vielleicht auch nicht. Aus Filmen die man mag oder nicht mag. In diesem neuen Kontext muss ich den Film nicht mögen, da ja doch irgendetwas Neues entsteht. Auch wenn ich natürlich auch gleich an einige Zitate denken musste, die es wert wären, auf den zweiten Teil zu kommen, allen voran natürlich das Überzitat aus London Nights, hier ganz oben, das auch noch ein bisschen weiter geht. Wäre ein toller Dialog zum Thema Liebe.

  4. ich frag mich immer und immer wieder, wo du immer diese tollen die findest!
    sowas mochte ich shcon immer, oder wenn auf soundtracks ein paar zitate vertreten sind, ist in letzter zeit sehr selten geworden, besonders beim soundtrack von eternal sunshine of the spotless mind vermisse ich zitate oder bei garden state… this song will change your life!
    bei dem bandits soundtrack gabs tolle zitate: toll, jetzt bin ich n popstar und keine sau erkennt mich. außerdem is mir kalt :)
    großes kino, ich freu mich!

  5. Das klingt so unglaublich schön. Davon muss es ganz viele Folgen geben, es gibt so viele schöne Zitate.

  6. Das Projekt hört sich wirklich super an. Es sollten sowieso mehr Filmzitate verwendet werden. Bin sehr gespannt…

  7. Malin: Das Bandits-Zitat erinnert mich an Almost Famous. “It’s okay! I’m easy to forget! Just leave me behind! I’m only the fucking lead singer!” :D

    Helen und henri: Darauf hoffe ich auch.

    Thorsten: Gerne doch. :)

    sam: Ja, wie Malin schon sagte, einfach legendäre Dialoge auf die Soundtracks packen, wäre eine gute Sache.

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