15 Platten

Scheinbar ist auf dieses Internet doch nicht immer Verlass. Neulich noch bei den 15 Filmen geunkt, dass nach den 15 Büchern bald die Bitte um 15 Platten für eine großartige Top 100-Liste ansteht. War aber nix. Zumindest ist mir nichts aufgefallen. Aber da ich gerade echt Lust auf ne Musikliste habe, gibt es jetzt meine fünfzehn Lieblingsalben. Und wenn ihr wollt, dann macht doch einfach mit und wir haben am Ende die 100 beliebtesten Langspieler der Musikgeschichte. Also, mal wieder ne neue Liste, so nach der des Rolling Stone, der Visions, vom Musikexpress, …

Green Day – Dookie (1994)
Das Wimmelbild-Cover ist ja eigentlich schon Grund genug Dookie zu lieben. War damals meine erste “härtere Platte” und wer weiß, ob ich ohne sie so gut zur Gitarrenmusik gefunden hätte. Naja, vermutlich schon. War aber auch ne recht gute Konsensplatte, die mochten auch Leute, die nix mit Punkrock anfangen konnten. Und wisst ihr was? Ich war so enttäuscht, als Green Day plötzlich mit American Idiot an den Start kamen. Nicht nur, weil die Platte total lahm ist, sondern weil sie auf ihren Konzerten höchstens noch zwei Dookie-Songs spielten. Comebacks sind nicht immer gut, Kids, merkt euch das!

Weezer – The Blue Album (1994)
Es ist völlig unfassbar, dass das blaue Album von Weezer schon siebzehn Jahre alt ist. Ich meine, 17! Ich könnte jetzt siebzehn Ausrufezeichen machen, was völlig daneben wäre, aber selbst das würde es nicht greifbarer machen. Da fühle ich mich glatt alt. In jedem Fall ein fantastisches Album und mal abgesehen von Pinkerton und vielleicht noch in Ansätzen dem grünen Album kam da nichts mehr ran. (Streng genommen ist ja Pinkerton das bessere Album, aber so ne Liste hat ja auch mit emotionaler Bindung zu tun und daher ist das blaue Album vorne, nur mal so nebenbei und daher in Klammern.)

Oasis – Definitely Maybe (1994)
Dann doch das Debütalbum und nicht das zweite Werk (What’s The Story) Morning Glory. Habe es ausgeschnischnaschnuckt. Gegen mich selbst. Die vermutlich beste Idee meines Lebens war es, vor einigen Jahren auf den Ticketpreis zu scheißen und mir Oasis in Frankfurt anzusehen. Ein besseres Konzert werde ich nie wieder sehen. Zumindest sicher nicht, solange Liam und Noel sich weiterhin mit Sandförmchen beschmeißen. Britpop war schon ne verdammt gute Sache damals. Daher schnell weiter im Text. Ach ja. Lieblingslieder hier: Supersonic, Cigarettes & Alcohol und Live Forever. Alle drei hintereinander und auf Dauerrotation. Danke!

Garbage – Garbage (1995)
Vermutlich meine meistgehörte Platte aller Zeiten. Vielleicht ist es aber auch Version 2.0. War eh ne harte Entscheidung, welche Garbage-Platte ich mit in die Liste nehme. Aber da ich tendentiell Debütalben mehr abfeiere, ist es die selbstbenannte Platte geworden. Mit so unglaublich großartigen Liedern wie Stupid Girl, Milk, Only Happy When It Rains und so weiter. Love, love, love! Hätte es in den 90ern schon lastfm gegeben, Garbage wären uneinholbar auf Platz 1. Auch wenn ich sie nie wieder in meinem Leben hören würde. Was ne verdammt dumme Idee wäre.

The Smashing Pumpkins – Mellon Collie and the Infinite Sadness (1995)
Ach Billy! Was lief eigentlich schief nach Mellon Collie and the Infinite Sadness? Da legst du so ne Jahrhundertplatte hin, die natürlich kaum übertroffen werden konnte, Adore und Machina waren ja noch recht passabel, aber danach? Zwan? Dein unsägliches Soloalbum? Das Pseudo-Comeback? Ich bin ganz ehrlich, ich habe Angst, was das im September mit Oceania gibt. Und höre lieber immer wieder die Mellon Collie.

Eels – Beautiful Freak (1996)
Mittlerweile kann ich über das Konzert-Desaster fast schon wieder schmunzeln. Vielleicht irgendwann ein bisschen mehr, wenn ich Mark Oliver Everett und seine Eels dann endlich mal live gesehen habe. Einige der wunderschönsten Lieder aller Zeiten sind auf dieser kleinen Platte versammelt. Novocaine For The Soul zum Beispiel. My Beloved Monster. Your Lucky Day In Hell. Und das titelgebende Beautiful Freak natürlich.

The Offspring – Americana (1998)
Konsensplatte, die Zweite. Hatte irgendwie auch jeder damals. Ich könnte mir zwar gut vorstellen, dass Americana für Offspring-Fans der ersten Stunde das war, was American Idiot für mich ist, aber das ist mir eigentlich trotz all meiner Tiraden auf dieses Green Day-Debakel eher schnuppe. Das war unser Coming-of-Age-Soundtrack. Außerdem hatte ich die Smash damals auch schon ein paar Jahre, ich darf die Platte mögen.

Foo Fighters – There Is Nothing Left To Lose (1999)
Die ersten beiden Platten der Foo Fighters waren schon ziemliche Kracher, aber als Taylor Hawkins mit seinem Grinsegesicht zur Band kam, da ging es richtig los. There Is Nothing Left To Lose und One By One sind ihre besten Alben und ich habe eigentlich keine Ahnung, welches ich besser finde. Schnick, schnack, ach egal, das hier ist nen Tick besser, Punkt.

Jimmy Eat World – Clarity (1999)
Zu meiner Zeit gab es noch keine Subkulturen. An meiner Schule zumindest, von ein paar HipHoppern mal abgesehen, die sich eher lächerlich machten, was aber… ach egal. No Diss till Brooklyn! Also, keine Subkultur. Wir hörten zwar unterschiedlichen Kram, aber trugen alle die gleichen bescheuerten 90er-Jahre-Klamotten. Jahre später wurde ich dann von einem Kleinkind aus einem Einkaufswagen heraus als Emo bezeichnet. Was zugegeben lustig war, denn das Kind war gerade mal drei oder vier Jahre alt. Und ich bin jetzt auch nicht der Vorzeige-Emo. Okay, frisurentechnisch manchmal und schwarze Bandshirts sind schon mein Ding und ich hatte im Supermarkt vielleicht sogar Jimmy Eat World auf den Ohren. Zumindest hatte ich mal die ach so lustige Domain jimmydrinkworld.de.vu. Wusste das Kind aber nicht. Ich weiß auch gar nicht, was ich hier gerade schreibe, daher: Jimmy Eat World sind mit die Größten, trotz der letzten beiden Platten, Clarity ist ihr Highlight, aber Bleed American und Futures auf dem gleichen Level. Punkt. Bevor hier wieder Kleinkinder rumkrakelen.

Beck – Sea Change (2002)
Definitiv eine der besten Platten des letzten Jahrzehnts. Ich mag Beck ja recht ganz gerne, trotz der ganzen Scientology-Kacke. Großartiger Musiker halt, dessen Opa übrigens lange Zeit in Köln wohnte und von dem ein paar Kunstwerke in der Innenstadt rumstehen. Aber das nur nebenbei. Sea Change ist so ne richtig gute Feel-Bad-Platte. Und die braucht man manchmal. Ein besonders großes Fanherz pinsele ich um Lost Cause, Guess I’m Doing Fine und Lonesome Tears.

Interpol – Turn On The Bright Lights (2002)
Auf Interpol kam ich erst recht spät, als ein paar Leute schon völlig aufgeregt auf die nahende Antics-Veröffentlichung schielten. Mir sagte der Name zwar was, aber Lieder hatte ich bewusst noch nicht gehört. Kurz darauf hatte ich rote Wangen. Aus Scham die Band nicht früher entdeckt zu haben und vor Freude wegen der wunderbaren Lieder auf Turn On The Bright Lights. Und wie wundervoll ist bitte der Titel Stella was a diver and she was always down?

Beatsteaks – Living Targets (2002)
Ich mag die letzten Beatsteaks-Platten. Mein Favorit ist trotzdem ganz klar die Living Targets. 12 Lieder. 12 Hits. Von auf die Fresse bis zu relaxten Nummern alles dabei. Außerdem der Sommersoundtrack 2002. Gute Zeit, tolle Festivals, tolle Konzerte. Schade eigentlich, dass Arnim nicht mehr wie damals mit nem Surfbrett über die Crowd wandert. Schade vor allem, dass sie jetzt nicht mehr in kleinen Hallen spielen.

Franz Ferdinand – Franz Ferdinand (2004)
Und dann kam plötzlich Indie um die Ecke. Mit den Arctic Monkeys und den Strokes und Maximo Park und all ihren guten Platten. Meine Favoriten: Franz Ferdinand. Spricht für sie, dass ich mir all ihre Alben hintereinander anhören kann, ohne mich zu langweilen. Klappt bei den anderen Bands nur bedingt. Warum das Debüt? Vielleicht, weil damit alles irgendwie losging. Und wegen der unglaublich guten Schampus-mit-Lachsfisch-Zeile.

Shout Out Louds – Our Ill Wills (2007)
In meiner lastfm-Liste sind die Shout Out Louds auf Platz 1 der meistgehörten Bands seit Januar 2007 und neun Songs unter den Top 20. Und Schuld daran ist größtenteils dieses Überalbum. Und der Song Impossible, den ich wer weiß wie oft auf Dauerrotation hörte. Howl Howl Gaff Gaff (was ein Titel) war schon ziemlich perfekt, Our Ill Wills die Perfektion. Schade, dass Words dann wieder zwei Schritte zurück machte.

The XX – XX (2009)
In den letzten fünf Jahren kam einiges an guter Musik raus. Aber so der richtige Knaller? Eigentlich nicht. Abgesehen von The XXs Debütalbum. Das hat mich einfach nur weggehauen, umgeblasen, mir Kinn und Kopf auseinander gedrückt und mich mit offenem Mund dasitzen lassen. Also so in etwa. Unglaublich intensive Platte, perfekter Sound, großartige Lyrics und dabei sind die Jungs und Mädels noch so unfassbar jung. Ich bin ernsthaft gespannt, was von denen noch alles kommen mag.

War jetzt doch mehr Arbeit als gedacht. Viele Erinnerungen kamen hoch, es war teilweise echt hart Platten wieder aus der Liste zu streichen, da es ja nur 15 sein dürfen (wer hat sich das eigentlich ausgedacht?) und so weiter. Irgendwie wirkt die Liste fast einseitig. Englischsprachige Gitarrenmusik. Aber zumindest verschiedene Genres. Keine Sorge, ich höre und mag deutschsprachige Sachen, habe auch ein paar elektronische oder HipHop-Platten in meiner erweiterten Liste, bloß für diese hier hat es nicht gereicht.

Wenn ihr Lust habt, macht eure eigene Top 15. Müsst ja nicht so halbe Romane schreiben wie ich, ne einfache Liste reicht völlig. Schreibt sie in die Kommentare oder gerne auch auf eure Website und sagt mir dann irgendwie Bescheid, damit ich sie nicht übersehe. Wenn bis zum 15. August genug Platten zusammen kommen, trage ich die zusammen und es gibt ne Top 100. Vorher könnt ihr aber natürlich auch nach Herzenslaune meine Liste anpöbeln. Oder euch die Platten anhören. Ist eigentlich die bessere Sache.

23 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Guter Geschmack, speziell Dookie und Americana.

    Ansonsten kenne ich mich mit Alben leider zu wenig aus. Ich packe die alle auf meine Festplatte und da laufen die unsortiert vor sich hin. Könnte in den mesiten Fällen nicht sagen, zu welchem Album ein spezielles Lied gehört, geschweige denn dass ich die Namen wüsste. Das war früher, vor 15 Jahren oder so, noch anders. Daher kenne ich auch noch die beiden gerade genannten Alben so gut ;)
    Auch etwas anders ist es bei Soundtracks.

    Alles in allem kann ich aus diesem Grund leider nicht mit einer Top15-Liste dienen :/

  2. Gut, dass es dich gibt.
    Hab heute so einen beschissenen Tag. Hab XX in den CD-Recorder (jaaaaa…medienagentur und ein gerät von 1994 oder früher) und nun siehts alles was besser aus.

    Liebsten Gruß aus Ehrenfeld!
    Nora.

  3. Also das die Beatsteaks nichtmehr in kleinen Hallen spielen ist falsch! Sie spielen im September im conne Island in Leipzig zum bespiel und das ist jetzt nicht irgendwie exclusiv oder so, es wurde lediglich keine Werbung gemacht… Eigentlich alles wie damals :D hoffentlich holt Armin das Surfbrett wieder raus! (Oder sogar den gitarrenkoffer!!)

  4. also die Beatsteaks haben siet RaR so richtig bei mir bepunktet und die alben hab ich mir dann direkekt auch besorgt. Living Targets finde ich auch irgendwie besser…

    The XX ist auch ziemlich nice :)

  5. Ich mag von Interpol und der Platte am liebsten “Obstacle 1″. Vom Rest Deiner Musik habe ich von den Bands nur vereinzelt Tracks, vielleicht werde ich mir mal was aus Deiner Sammlung zulegen.

  6. Sehr gute Liste ;)
    Ich mag Living Targets auch mit am meistens, aber limbo messiah ist für mich einfach auch so ein großartiges Album. Aber hast schon Recht – Living Targets spielt schon in einer etwas höheren Liga. Lieblingslieder? ;)
    Das mit den Surfbrett ist echt schade, aber sie sind live trotzdem immer noch der Wahnsinn

  7. Zeitzeugin: Eigentlich total schade, da ginge für mich persönlich wohl ziemlich viel verloren was den Produktionsprozess von Musik angeht. Ich hab da mal vor einiger Zeit was zu geschrieben, in Ansätzen, da ging es eigentlich um den Shuffle-Modus. :)

    Nora: Ist doch toll, wenn es noch manuelle Geräte gibt. Habe hier auch noch nen Kassettenspieler stehen. :D

    Benjamin: Das ist ja großartig, schade, dass Leipzig so weit weg ist. Das letzte Mal hab ich die Beatsteaks von kleinem Publikum 2008 (?) gesehen, bei nem Radiokonzert. Das war echt noch gemütlich mit knapp 500 Leuten. Ich hoffe ja insgeheim noch auf ne Geheimtour mit nem Gig in Köln, vielleicht nächstes Jahr. ;)

    sven: Hurra! :)

    Vorstadtprinzessin: :)

    J: Mach das. Und sag mir dann, ob es eine gute Entscheidung war auf meinen Rat zu hören oder der totale Griff ins Klo.

    Anni: Hm, wenn ich Lieder rauspacken muss, dann Soothe Me und To Be Strong. :)

  8. Pingback: » Meine 15 Lieblingsalben Chaosmacherin

  9. Ich weiß nicht, ob ich Lust und Zeit finde, dazu einen ausgewälzten Blogpost zu formulieren; für eine zusammengeschnodderte Top 15 in den Kommentaren dürfte es aber noch reichen. ;-)

    01. The Pains of Being Pure at Heart – S/T
    02. Sigur Rós – Takk…
    03. Philipp Poisel – Wo fängt dein Himmel an
    04. Kettcar – Sylt
    05. Coldplay – Viva la Vida or Death and All His Friends
    06. Bon Iver – For Emma, Forever Ago
    07. Howard Shore – The Fellowship of the Ring OST
    08. Kettcar – Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen
    09. Howard Shore – The Return of the King OST
    10. Kettcar – Du und Wieviel von deinen Freunden
    11. Jónsi – Go
    12. The Low Anthem – Oh My God, Charlie Darwin
    13. Sigur Rós – Með suð í eyrum við spilum endalaust
    14. Howard Shore – The Two Towers OST
    15. Explosions in the Sky – The Earth is Not a Cold, Dead Place

    So Pi mal Daumen. Nicht direkt einseitig, aber mit je drei Platten von Kettcar, Howard Shore und quasi Sigur Rós doch recht, hm, vorhersehbar. Ach, was soll’s.

  10. Interessante Liste. Abgesehen von Kettcar zwar keine Platte dabei, die in meiner erweiterten Liste war, aber auch nichts, was ich jetzt schlecht finde und einiges, das auch in meinem Regal steht.

  11. Pingback: thestiller.de » » SPIN Tribute to Nirvana: Newermind

  12. Pingback: Meine 15 Lieblingsplatten – Abraxandria

  13. Pingback: Meine 15 Lieblingsalben | k1von3.de

  14. Pingback: 15 Platten – Codecandies

  15. Verspätet, aber zusammengestellt. Keine Übereinstimmung mit einer deiner Platten, aber immerhin mit einem Interpreten.

    Hier.

  16. Ich glaube, wenn ich die Liste zusammenstelle, werde ich eh merken, dass keine einzige Platte 2x vorkommt. :D