
Mit einer Mischung aus Überraschung und Verzückung schaut sie in ihre Tupperbox. Ein Wurstbrot liegt darin, fünf Tomätchen, ein Schokoriegel. “Wie geil bist du denn?”, fragt sie. “Ich hatte den besten Lehrer!”, sage ich.
Mein Vater war der Pausenbrot-Schmierer in unserer Familie. Abends stand er in der Küche, schnitt Brot, beschmierte die Scheiben mit Butter und belegte sie mit Wurst oder Käse. Ein paar für sich, ein paar weniger für meine Mutter und zwei Scheiben für mich. Von der Grundschule übers Gymnasium bis hin zum Zivildienst. Fast nichts konnte ihn davon abhalten. Bloß wenn er krank war durfte meine Mutter ran. Zum Brot legte er meistens etwas zum Naschen oder kleines Gemüse. Tomaten oder Paprika. Manchmal auch beides. Selten auch mal nichts, wenn ich unartig war.
Als ich das erste Mal von zu Hause auszog, da sagte er, sicher ernsthaft betrübt, dass die Zeiten ja nun vorbei seien. Doch während meiner Pendelsemester oder als ich für meinen Ferienjob in der Heimat weilte und tagsüber arbeiten ging, da ließ er es sich nicht nehmen mir meine Brote zu schmieren. Und von den vielen Dingen, die man von seinen Eltern lernt, so gehört dies dazu: Immer etwas zum Brot legen. Für die kleine Nascherei, aber auch für die kleine Freude beim Öffnen der Frühstücksbox.
Danke Papa, für all die geschmierten Brote! Vielleicht ergibt es sich ja mal wieder, dass du abends in der Küche stehst und auch für mich Brote machst. Und jetzt wisch dir die Träne aus dem Auge, ich kann ja von hier aus sehen, dass dich das hier rührt!
Ja, so einen Papa habe ich auch. Der lässt es sich noch immer nicht nehmen mich zu bekochen und mir Brote zu schmieren, wenn ich mal zuhause weile.
Da darf man nochmal Kind sein
Eine sehr schöne Erinnerung. Auch die Konsequenz von deinem Vater ist bewundersnwert, dir noch bis zum Zivildienst Brote zu schmieren. Dann war er immer sicher, das du was zu essen dabei hast. Schön.
Bei mir wars meine Mama <3 Hab nie verstanden, wieso ein “normales” Butterbrot von meiner Ma besser schmeckt, als wenn ichs selbst mach
bei mir wars auch der papa – von der 1. klasse bis in die uni…
allerdings hat er das morgens gemacht, für mama, mich und ihn selbst. stimmt, das ist SUPERCOOL – werd’s ihm gleich nochmal sagen!
Ich hätte auch gern immer karotten, paprika, gurken oder tomaten dabei, aber ich bin zu faul =(
Das hast du süß geschrieben und lässt mich auch grad etwas in Erinnerungen schwelgen. Aber bei mir wars meine Mutter, die jeden Morgen geschmiert hat, was das Zeug hielt.
@Julia: Das noch mal Kind sein dürfen ist schon ne gute Sache am Elternhaus.
@deikitschi: Manchmal hatte ich tatsächlich das Gefühl, er sei besorgt, ich könne verhungern.
@Hannah: Ist ne gute Frage, aber geht mir genauso.
@rebhuhn: Mach das, er wird sich freuen.
@kasumi: Dabei geht das eigentlich so schnell. Aber man ist für sich meistens zu bequem.
@Katja: Danke!
Vermutlich kennt das jeder und trotzdem denkt man sicher viel zu selten dran.
ach gott, is das süß
da wird mir richtig warm ums herz
du bist ja ein ganz lieber sohn ^^
Hast du je daran gezweifelt?
Schön, wenn man so tolle Erinnerungen hat. Vergiss sie bloß nicht
Hach, ja, damals. Ich durfte sie mir ziemlich früh selbst schmieren. Aber so ein geschmiertes Brot, das ist einfach viel wert … ich weiß noch, wie ich eines weggeworfen hatte, und danach tagelang ein schlechtes Gewissen hatte.
Ui, wie sweet von ihm! Das macht einen ja glatt neidisch.
da hab ich jetzt eben auch mal rührungskniepertränen-alarm…..! das ist wunderbar geschrieben. und ich mach da gleich mal einen blogbeitrag draus – ich schätze ich darf das hier mal verlinken? danke, für die schöne erinnerung!!
@Tobi: Niemals, Ehrensache!
@Jenny: Ging mir auch so. Macht man einmal und nie wieder. Egal wie satt ich war, das Brot musste noch rein. Und wenn ichs vergessen hab und es übers WE in der Tupperbox verschimmelt ist, dann gings mir mies.
@lia: Ach, nicht doch.
@ami: Aber gerne doch. Freut mich, wenn ich Erinnerungen wecken konnte.
http://amidelanuit.wordpress.com/2009/10/08/brote/
wirklich schön geschrieben, hätte auch gerne so einen vater. bei mir gab`s immer nur langweilige brote.
Ja die 10 Jahre Trennung hat das “Selig Live Sehen” nicht gerade gefördert, erst Recht weil ich da gerade mal 6 Jahre alt war.
Und das gleiche wie bei dir beim Southside ist einem Freund von mir passiert. Naja, nicht ganz. Der konnte nicht so Rock Am Ring weil der auf seine Abiturklausurergebnisse warten musste und die kamen genau am 2. Rock Am Ring Tag raus… da musste er da sein.
Und noch was… sieht ja echt lecker aus
Da ich aber kein Fleisch esse wären die Tomaten wohl eher was für mich
Mein Bruder bekam bis zu seinem Auszug immer eine warme (Milchsuppe) ans Bett gebracht. Anders konnte er nicht aufstehen.
Mein jüngerer Sohn braucht auch einen Kakao, bevor er in den Tag starten kann.
Wenn er den trinkt und dann ins Bad geht, stehen entweder mein Mann oder ich in der Küche und machen das Frühstück für die Schule fertig. Und nachdem ich das hier gelesen habe, werden wir das wohl beibehalten, auch wenn sie in einem Alter sind, dass sie selbst Brote schmieren könnten.
…woran ich mich auch noch gerne erinnere: Wenn wir die Schnitten mal nicht gegessen hatten, hatten wir abends keine rechte Lust darauf. Meine Eltern haben dann immer die Hälfte der “Hasenbrote” abgenommen.
Wie schön, dass es solche Erinnerungen gibt.
SO schön! Ich mache meinen Kindern auch jeden Morgen die Brotzeit… ein zusammengeklapptes Butter- oder Wurstbrotbrot in eine Box, und in eine kleinere Box dann geschnittene Äpfel, kleine Träubchen (natürlich schon abgepfriemelt), Mandarinenschnitze, Paprikastückchen, gechnippelte Karotten usw.. Und die kleine Box kommt dann zur großen Box rein…
Aber ich krieg ziemlich oft wieder was zurückgebracht. Dei Große fängt nun mit 13 langsam an, sich das aelber zu machen…
Aber wenn ich die Geschichte so lese, muß ich mal ein Zettelchen mit ein paar lieben Worten oder so mit reinschmuggeln
)
Und den Kaba ans Bett hätten meine drei bestimmt auch gerne
))
@Kobi: Immerhin gab es Brote.
@Anni: Käsebrot ginge auch?
@Geertje: Irgendwie schön, wenn durch den kleinen Text Eltern angeregt werden, die Brotschmierereien weiter durchzuziehen. Kakao und so zum Bett ist aber auch ziemlich nett.
@Jeanie: Schöne Sache mit der kleinen Box. Da wird die Große trotz selber machen wollen sicher noch drauf zurück kommen.
Das ist ja zauberhaft. Kann man sich den Papi mal ausleihen?
Ich bin ehrlich, habe den Artikel jetzt erst gelesen. Aber dafür bin ich jetzt auch wirklich gerührt. Schön geschrieben, Stiller.
*lach* Neeee, die Große bevorzugt diese unsäglichen Frühstücksbeutel… Die Boxen sind “Babykram”… muß sie ja wissen mit stolzen 13 Jahren
)
Du hast wohl wirklich vom besten gelernt, so muss das aussehen, und nicht anders!
meine Mama macht immer noch die Brote für mich morgens.
sonst müsst ich ja früher aufstehen. und ich steh schon so früh auf.
ich mein, zwanzig nach 6? hallo?
@Mary: Für einmal Brote schmieren vielleicht, nicht dauerhaft.
@Benno: Danke!
@Jeanie: Stimmt, das ist ja dieses schwierige Alter, in dem Brotboxen und Disneyfilme out sind. Naja, spätestens in der Oberstufe legt sich das ja wieder.
@Spanksen: Danke, finde ich auch!
@Verena: Stimmt, das wäre aber auch furchtbar.
Welch eine schöne Erinnerung