
Die Kanzlerin kommt! So stand es seit Tagen auf Plakaten am Hauptbahnhof. Und sie kam. Die Frau, die unser Land regiert und weiter regieren möchte. Behauptet sie jedenfalls. Aber bei ihrem Auftritt in Koblenz hätten auch leicht Zweifel daran aufkommen können.
Vielleicht war es einfach nur unglücklich. Die Jazzkapelle, die vor Merkels Eintreffen für eine nette Stimmung sorgen sollte, spielte gerade Duffy’s Mercy, als Angie die Bühne betrat:
I’m begging you for mercy
Why won’t you release me?
Ja gut, werden sich die SPD-Wähler in der Menschenmenge gedacht haben, am 27. wollen wir dich ja von deinem Amt erlösen, hab nur noch ein bisschen Geduld, die Entschuldigung nehmen wir dann auch an. Wenn denn SPD-Wähler vor Ort waren. Flaggen der Piraten waren zu sehen, Grüne, Milchbauern, Leute von Attac. Irgendwer buhte auch ein wenig unfreundlich.
Merkels Worte passten zu ihrem Wahlkampf. Freundlich plauderte sie über Adenauer und die Wende, die heutige Zugfahrt und ein bisschen über die Bankenkrise. Kein Wort über politische Gegner oder mögliche Koalitionen. Ein bisschen Eigenwerbung für eine starke CDU/CSU-Fraktion nach der Bundestagswahl, ein bisschen Tschakka – wir schaffen das, die Krise wird bewältigt. Aber es wirkte wie ein Kaffeekränzchen. Eine Frau, die kurz vorbeischneit, ein paar Anekdoten erzählt und dann weiter reist. Die sich noch einmal ins Gedächtnis der Leute ruft, aber irgendwie mit der Wahl abgeschlossen hat.
Vermutlich wird es keine Abschiedstournee. Kein Abschied von Angie als Kanzlerin, aber auch kein Abschied von der großen Koalition. Ihr Auftreten war, wie immer in den letzten Tagen, konfliktvermeidend, ruhig, ein bisschen nervös, auf jeden Fall ohne Biss. Sie will im Moment niemanden verprellen, den sie noch gebrauchen kann. Deswegen durfte auch Franz-Josef Jung mit im Rheingoldexpress von Bonn nach Berlin reisen. Oder sein Dienstwagen ist verschwunden.
Vermutlich wird es aber auch deshalb keine Abschiedstournee, weil die Rolling Stones ihr berühmtes Angie schmetterten, als die Kanzlerin die Bühne verließ. Und die kennen sich ja bestens aus mit Abschiedstourneen, die keine sind. Where will it lead us from here? Am 27.09. wissen wir mehr. Die Zeichen stehen aber auf eine Fortsetzung der Ehe Merkel-Steinmeier.


